Mehr als Wolle

Mehr als Wolle

Mit Riesenschritten gehe ich auf mein zweites Weihnachtsgeschäft im neuen Ladenlokal zu. Was hat sich verändert?

Der Schwerpunkt meines Sortimentes liegt natürlich immer noch auf den besonderen Garnen. So ist in 2019 Rowan langsam wieder in meine Regale zurückgekehrt. Dank neuer Vertriebswege ist die wunderbare Felted Tweed wieder im Sortiment, ergänzt von der klassischen Moordale und der fluffigen Alpaca classic. Auch in diesem Jahr gibt es wieder geschenktaugliche Stricksets für Handschuhe, Mützen und Stulpen.

Aber bedingt durch den größeren Laden und das Stadtfelder Publikum habe ich mein Sortiment stetig erweitert. Natürlich passend zu meiner Devise „Alles Natur“ sind nach und nach fertige Strickwaren aus Irland und Norddeutschland, Wolldecken für groß und klein und Filzdeko aus Schweden in die Regale und Schränke gezogen. Dazwischen feine Duftkerzen, Holzdeko aus Österreich, Schreibhefte aus einem niederländisch-portugiesischen Projekt und Postkarten aus Hamburg. Fast immer wenn ich unterwegs bin, hab ich was neues im Gepäck. Langsam muss ich mich bremsen, ich kann nicht schon wieder in einen größeren Laden umziehen.

Für das Weihnachtsgeschäft bin ich also gut vorbereitet, kommt mich doch mal besuchen. Spekulatius und Lebkuchen steht auch für meine lieben Kunden bereit.

Wenn eine eine Reise macht….

Wenn eine eine Reise macht….

Aufgeregt und neugierig fuhr ich am Donnerstag nach Altena im Sauerland. Ich war – mit 19 KollegInnen – zum Einzelhändlertag bei der Gustav Selter GmbH eingeladen. Gustav Selter GmbH? Ihr kennt sie alle unter ihrem Markennamen: Addi. Der einzige Nadelhersteller mit Vollsortiment der noch ausschließlich in Deutschland produziert. Ein Familienunternehmen seit 190 Jahren und 6 Generationen.

Dieses Wissen kann ich jetzt natürlich locker aus dem Hut zaubern: „Mr. Addi“, Thomas Selter und seine Frau Claudia Malcus haben uns mit einem warmen Empfang und einem kurzen Einblick in die Firmengeschichte (und einem Glas Sekt) erst einmal mit ihrem Unternehmen vertraut gemacht.

Dann ging es aber auch schon auf die andere Straßenseite, zur Führung durch die Produktion. Unsere Gruppe durfte mit Frau Malcus dem Herstellungsweg einer Rundstricknadel mit Metallspitzen folgen. Hättet ihr gedacht, dass die Herstellung einer einzelnen Nadelspitze 20 bis 25 Arbeitsschritte benötigt?

Es startet alles mit einen unscheinbaren Messingröhrchen das von einem Zulieferer „hinterm Berg“ angeliefert wird. Das hat schon die Länge und den Durchmesser der fertigen Spitze. Alles andere passiert in den Werkshallen von Addi: das Ausbilden der Spitze und die Verkröpfung für das Seil. Zwischendurch immer wieder Reinigungs- und Entgratungsschritte. Das Herstellen der Struktur für die neuen Novel-Nadeln, einige Extra-Schritte für das Einsetzen der Federn beim Addi-Klicksystem, wieder Reinigung, Oberflächenveredlung, Auflasern der Nadelstärke und, und, und. Jeder Schritt besteht aus Handarbeit, oft mit eigenen Maschinen und Werkzeugen. Irgendwann kommt dann auch das Seil dazu, meine Lieblingsabteilung war die Hochzeits-Abteilung, dort werden Seil und Nadel dann endlich miteinander vermählt.

Es war ein wenig wie bei der Sendung mit der Maus für Erwachsene. In mir wuchs mit jedem Schritt der Respekt vor den Nadeln und dem Addi-Team. Wie dort mit den Mitarbeitern umgegangen wird, welche Anstrengungen zur Qualitätssicherung, Innovation und Umweltfreundlichkeit unternommen werden – Hut ab!

Die Eindrücke durften erst einmal bei einem guten Mittagessen sacken, inspirierend waren auch die Gespräche mit den anderen Händlern. Beim Essen wurde sich rege über die Herausforderungen unseres Händleralltags ausgetauscht und Sortimente verglichen. 

Für den Nachmittag stand dann ein Seminar mit Sylvie Rasch zu den Möglichkeiten des Internets auf dem Programm. Sylvie hat extra ihren Geburtstag geopfert, um uns etwas zu erzählen. Und was sie dort mit viel Witz und noch mehr Sachverstand vorstellte, konnte sogar mir als „altem Hasen“ noch einige AHAs bescheren.

Zum krönenden Abschluss bekamen wir alle zusätzlich zu einem Goodie-Bag mit tollen Produkten noch jede eine Nadel mit eingelasertem Namen. Wir waren platt – was für ein besonderes Geschenk!

Die deutsche Bahn brachte mich dann pünktlich und entspannt wieder nach Hause, mit vollem Kopf und Taschen.

Geändert hat sich mein Umgang mit dem schnöden Handwerkszeug Stricknadel. Jedesmal wenn ich sie in die Hand nehme (oft!), denke ich daran, wieviel Handarbeit und Tradition in diesem einfachen Stück Metall (oder Holz und Bambus) steckt!

ChrisBerlin besucht mit ihrem Workshop „Ecken und Kanten“ die maschinistin

ChrisBerlin besucht mit ihrem Workshop „Ecken und Kanten“ die maschinistin

In diesem Herbst darf ich euch ein ganz besondere Highlight anbieten: die bekannte Designerin Chrisberlin kommt im Rahmen der Lamana Trunk Show am 11. Oktober nach Magdeburg und zeigt uns in einem exklusiven Workshop ihre Tricks und Kniffe.

Das Modell ist ihr neuer Boyfriend Cardigan der in den nächsten Tagen veröffentlicht wird. 

Im Workshop wird ein Schwerpunkt auf Patent, bzw. Halbpatent gelegt. Alle erweiterten Techniken die für die Anleitung „My Boyfriend Cardigan“ notwendig sind, werden im Workshop gezeigt und zusammen anhand von Muster- und Maschenproben erlernt.

Dauer: 3 Stunden

Uhrzeit: 15:00 bis 18:00 Uhr

Kursleitung: Chris Berlin

Voraussetzung bei den Teilnehmerinnen (gute Strickerfahrung und bereits mehrere Oberteile gestrickt)

Im Einzelnen wird gezeigt, bzw, zusammen gelernt:
– Häkelanschlag, alternativ der provisorische Anschlag.
– Knäuel zu Ende und keine Lust auf Fäden vernähen?
– Halbpatent, wie geht das, wie sieht es aus und was solltest du beachten.
– Was tun, wenn man sich verstrickt hat?
– Zunahme im Halbpatent, auf der Vorderseite / auf der Rückseite
– Abnahmen im Halbpatent, auf der Vorderseite / auf der Rückseite
– Schöne saubere Kanten beim Halbpatent.
– Bündchen passend zum Halbpatent.
– Abketten im Halbpatent

Erläuterungen zum My Boyfriend Cardigan
– Stricken von oben nach unten.
– Sattelschulter / Raglan.
– Abketten, unterschiedliche Methoden.

Die Teilnehmer/innen erhalten ein kleines Booklet zum nachlesen und die Anleitung zum My Boyfriends Cardigan.

Zurück an die Nadeln

Zurück an die Nadeln

auch wenn ich gerade auf die Tastatur tippe, im Fokus stehen endlich wieder meine Stricknadeln.

In den vergangenen Wochenhabe ich viel Zeit am Rechner verbracht. Mit rauchendem Kopf und schwitzigen Fingern. Das eigentliche Ziel: der neue Onlineshop. Ich habe eine neue Software gekauft, meinen gesamten Warenbestand dorthin umgezogen. Konfiguriert und optimiert, alles bei über 30 Grad. Nach und nach tauchten im täglichen Betrieb Probleme auf. Gutscheine gingen nicht mehr, würde ich euch aber natürlich sehr gerne auch in Zukunft anbieten können. Und die Kassenausdrucke sind ein Witz, nur mit Lupe lesbar. Von nicht gesetzeskonformen Buchungen im Kassenjournal fange ich gar nicht erst an. Und der Support? Langsam und lapidar. Bei vielen Antworten merkte ich, die haben meine Frage gar nicht richtig gelesen. 08/15-Antworten die mir kein Stück halfen. Die Erkenntnis: die Software mag ja für den Onlineshop ganz nett sein, wenn aber mein normaler Ladenbetrieb nicht mehr funktioniert nützt das auch nix.

Nach gut 3 Wochen schlechter Laune, schlafloser Nächte und genervter Umwelt: Rolle rückwärts. Zurück zum alten Anbieter, wieder den Warenbestand umgezogen (jetzt bei fast 40 Grad). Kasse und Laden laufen jetzt wieder reibungslos. Nur leider ist kein Onlineshop in Sicht. Momentan fehlen Zeit und Energie um einen anderen Anbieter auszuprobieren. Zumal das auch einen Systemwechsel zu Windows erfordert. Teure Hardware kaufen um es testen zu können? Kann ich mich gerade nicht überwinden.

Also lasse ich erst einmal etwas Gras über die Sache wachsen und lasse statt dessen wieder meine Nadeln klappern. Das macht den Kopf klar und die Laune besser. Momentan ist die erste Mütze der Saison dran. Die Urban Brioche pappte bei Ravelry auf und wollte unbedingt von mir gestrickt werden. Etwas tricky ist der 2-farbige italienische Anschlag. Aber zum Glück gibt es You-Tube! Da freut sich mein Kopf über die Herausforderung.

Und wenn die Mütze fertig ist? Da ist eine wunderschöne Strickjacke auf meine Wunschliste gewandert. Arbeitslos werd ich ganz sicher nicht.

Hitzefrei

Hitzefrei

In der nächsten Woche kommt die Sahara zu Besuch. Ich schwitze schon, wenn ich nur die Wettervorhersage sehe – wie schön kühl war es doch in Dänemark, seufz.

Aus diesem Grund macht die maschinistin am Mittwoch den 26. und Donnerstag den 27. Juni hitzefrei. Freitag und Samstag ist wieder geöffnet.

Ich werde die Zeit nutzen, um im hoffentlich kühleren Büro meinen kompletten Warenbestand auf ein neues Kassensystem umzuziehen – jetzt wird es ernst mit dem Online-Shop. Und falls ihr ganz dringend etwas aus meinem Laden braucht, schreibt mir eine kurze Mail, dann lass ich euch rein 🙂

Ich schul um und werde Dänin!

Ich schul um und werde Dänin!

Nach diesem Urlaub ist die Landung im Alltag besonders hart. Eingehüllt in eine Hygge-Wohlfühlwolke haben wir die vergangenen 3 Wochen in Dänemark verbracht.

Nachdem meine Frau vor 20(!) Jahren ein traumatisches Dänemark-Urlaubserlebnis hatte, stand dieses Land bei ihr auf dem Index. Ewig schon hab ich es versucht, überraschenderweise willigte sie dieses Jahr ein, den Dänen noch eine Chance zu geben.

Von Rügen aus ging es per Fähre nach Bornholm, im Reiseführer hatten wir uns einen geeigneten Campingplatz ausgesucht. Also, erst einmal mit 80 km/h entschleunigt quer über die Insel, ein paar hundert Meter durch den Wald – und wir waren im Paradies. Ein Platz unter den Kiefern, vor uns die Dünen und das Meer. Lasse, der freundliche Campingplatzchef, empfahl noch ein Plätzchen mit Abendsonne und dann waren wir ganz alleine. Nur das Meer und die Vögel im Ohr – schneller hab ich wohl noch nie abgeschaltet. Nach rechts 5 km weißer Strand, nach links 30 km. Kein Mensch zu sehen. Und der Sand so fein und weiß, dass er früher als Füllung für Sanduhren verwendet wurde.

 

Nach 2 Tagen wußten wir: 3 km nach rechts gibt es das beste Softeis der Welt. Und 4 km nach links kam ein niedlicher kleiner Ort, mit den besten Floedeboeller Dänemarks.

Langsam entdeckten wir die Insel, jede Menge Kunsthandwerk, nette Örtchen, traumhafte Architektur, Sandstrände und Felsküsten. Und überall entspannte und freundliche Menschen. Und Wollgeschäfte. Klein aber fantastisch sortiert. Immer Naturfasern, meistens dänische Garne, teilweise sogar regional. Ich musste mich sehr beherrschen, nicht alles mitzubringen.

Wir wanderten durch die Spaltentäler im Inneren der Insel, begegneten Schafen, freuten uns an Klippen und Flechten, Glasbläsern und moderner Holzarchitektur. Eigentlich hätte ich die ganzen 3 Wochen auf Bornholm verbringen können.

 

Aber die Neugierde siegte.

Mit der Fähre ging es kurz nach Schweden, wir hatten 3 Tage Malmö vor uns. Der Campingplatz lag am Fuß der imposanten Öresundbrücke, auf neidisch machenden Fahrradwegen ging es ins Zentrum der Stadt. Wir erforschten interessante Neubaugebiete auf alten Hafenarealen und Gründerzeitviertel im Zentrum. Im Lakritzladen wollte ich mich einschließen lassen und in einem großen Möbelgeschäft wollte ich einen Container ordern und einfach alles einpacken. Futter für Leib und Seele!

 

Nächster Stop Kultur!

40 km nördlich von Kopenhagen liegt das Lousiana-Museum. Seit ich vor ca. 20 Jahren einmal dort war, ist es einer meiner Sehnsuchtsorte. Ich hatte ein wenig Lampenfieber: ist es beim 2. Mal immer noch so toll? Wird es Karin gefallen, oder hab ich zu hohe Erwartungen geweckt? Es war fantastisch – auch beim 2. Mal ist die Symbiose aus Kunst, Natur und Architektur einzigartig. Wir habe einen inspirierenden Tag dort verbracht, wunderbare Ausstellungen gesehen und entspannte Pausen mit Blick auf den Öresund gemacht.

 

Unsere letzte Station: Aarhus

Die zweitgrößte Stadt Dänemarks, Einwohnerzahl vergleichbar mit Magdeburg. Aber da enden auch schon die Gemeinsamkeiten. Angefangen beim Radwegekonzept, der Lebendigkeit der Innenstadt, Qualität von Architektur, Gastronomie und Einzelhandel endet es bei der herzlichen Freundlichkeit der Dänen. Bei jedem Augenkontakt bekommt man einfach so ein Lächeln geschenkt. Und die Wollläden! 7 Stück sind mir bei meiner Runde durch die Stadt begegnet, das waren bestimmt nicht alle. Im Laden gab es immer einen netten Plausch, eine schöne Auswahl und viel Sachverstand. Aber es strickt ja auch gefühlt jede Dänin. Auf dem Campingplatz war neben dem Meeresrauschen auch immer das leise Geklapper der Stricknadeln zu hören. Es liegt vielleicht auch am Wetter, ich habe im Urlaub meistens mehrere Lagen Wolle kombiniert. Es war ganz schön kalt und meistens auch noch windig – Pulloverwetter.

 

Jetzt bin ich wieder zurück im eigenen Laden, streichel ab und an meine dänischen Garne im Regal und stricke Kindermodelle nach dänischen Anleitungen. Und höre dabei ganz leise das Meer rauschen.