Am Donnerstag war ich in Berlin. Seit November geplant, mehrfach verschoben, hatte ich mir einen Einzel-Strickmaschinenkurs gegönnt. Es gab ein langes Telefonat vorneweg, was ich erwarte, was ich damit machen möchte. In meinem Hinterkopf wohnte die Idee, ich könne meine Handstrickideen auf der Maschine umsetzen, nur schneller. Pustekuchen!

Donnerstag stand ich dann mit Thao in ihrem Atelier, vor 13 verschiedenen Maschinen: Fein-, Mittel- und Grobstricker. Lernte die Unterscheidung zwischen japanischen und europäischen Maschinen, Nadelabständen und Elektronikvarianten. Kurz stieg Panik in mir auf, das lern ich doch nie. Aber Thao setzte mich einfach vor die passende Maschine, erklärte ruhig die Basics und gab mir Garn. Der Sprung ins kalte Wasser!

Zögerlich meine ersten Schlittenbewegungen, immer wieder unter Anleitung die Nadeln in die richtige Position geschoben, wuchs mein Musterstück recht schnell. Und vor allem tat sich eine völlig neue Welt auf. Thao meinte, man müsse stricken noch einmal neu lernen. Handstrickfähigkeiten und logisches Denken sind dabei eine große Hilfe – mehr aber auch nicht.

Schnell war mir klar, das meine Pläne neu sortiert werden müssen. Die Maschine eignet sich nur bedingt, um die gewohnten Dinge damit zu machen. Aber es öffnet sich ein Universum von ungeahnten Möglichkeiten. Thao zog immer neue Kisten mit Strickproben aus den Schubladen, ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ich lernte einen Haufen neue Begriffe und Muster, im Nu war mein Kurstag verflogen und ich stand mit vollgestopftem Hirn wieder auf Berlins Straßen.

Auf der Zugfahrt hörte mein Kopf nicht auf zu rattern, die Ideen überschlugen sich, so viele neue Möglichkeiten. Zuhause ging es gleich an den Rechner, gebrauchte Strickmaschine suchen (und finden). Wenn alles klappt zieht nächstes Wochenende eine Brother kh940 bei mir ein. Und damit eine neue Strickwelt. Ich kann es kaum erwarten!