Ich habe es getan, ich habe tatsächlich für 4 Wochen alles hinter mir und losgelassen. 4 Wochen Urlaub. Bis zum Moment der Abfahrt habe ich immer damit gerechnet, dass doch noch etwas dazwischen kommt. Aber nein. Unsere Reiseeule wurde mit einer neu gestrickten Baskenmütze versehen, der Wohnwagen hinters Auto gespannt und auf ging es. Ziel am ersten Tag: bis Frankreich bitte.

10 Stunden später bauten wir tatsächlich unser Wägelchen in Nancy auf. Einmal durchatmen und strecken, ein paar Runden stricken (die Frau verlangte nach neuen Wollsocken) und dann erschöpft in unser Schneckenhäuschen krabbeln. Die erste Nacht ist immer sehr hart und voller Vorfreude.

Wir brauchten dann noch 2 Reisetage bis wir endlich in der Nähe von Arcachon den Atlantik erreichten. Unser Platz war am Rande der wirklich imposanten Düne von Pyla, herrlich terrassiert mit Meerblick. So saßen wir völlig verzückt unter hohen Pinien, genossen den Duft und die Wärme, beobachteten Ebbe und Flut und die zahlreichen Gleitschirmflieger. Der Tageshöhepunkt waren die spektakulären Sonnenuntergänge. Das stundenlange Farbfeuerwerk konnten wir bequem vom Campingstühlchen beobachten. Bei leckerem Wein, Loge sozusagen.

Nachdem wir uns auf diese Weise in ein paar Tagen den Stress langsam aus dem Körper geschwitzt hatten zog es uns dann aber an unser tatsächliches Ziel, ins spanische Baskenland. Zum Glück hatten wir von unseren Platznachbarn ein paar nette Tipps bekommen, die sich auf er Tour noch häufiger bewährten.

Erster Stopp in Spanien: Zarautz. Die baskische Küste ist eher felsig, unterbrochen durch eher kleine Sandbuchten. Zarautz zählt mit gut 2 km Strandlänge zu den beliebten Stränden. Der Campingplatz liegt hoch über der Bucht. Das ergibt einen wundervollen Blick und einen beschwerlichen Heimweg. Das Städtchen verzeichnet einige Bausünden, ist aber trotzdem sehr sympathisch und lebendig. Wir konnten vorsichtig erste Kontakte mit der baskischen Pintxoskultur aufnehmen (bloß nicht Tapas nennen) und uns an den spanischen Tagesrhythmus gewöhnen.

So vorgebildet waren wir dann bereit für die erste Stadt: San Sebastian. Entspannt flanierten wir durch die Altstadgassen, nahmen hier und dort einen Happen und bewunderten den traumhaft schönen Strand mitten in der Innenstadt. Ein Blick in die Schaufenster der Immobilienhändler verriet uns aber, dass auch andere den Reiz dieser Stadt entdeckt haben. Wenn man Meerblick möchte (und das muss ja wohl sein), genügt ein mittlerer Jackpotgewinn für ein 4-Zimmerappartement.  Das gab unsere Reisekassse nun doch nicht her.

Also ging es weiter Richtung Bilbao. Auch dort wählten wir wieder einen Platz an der Küste. Diese Bucht war wieder völlig anders. Überall gab es Felsen die mich sehr an Blätterteig erinnerten. Von einem Riesen in alle Richtungen geknetet. Stundenlang lief ich mit meiner Kamera herum, zur Stärkung ging es in die lässige Strandbar oberhalb der Bucht. Auch dort gab es wieder die Platten mit den liebgewonnen Häppchen auf dem Tresen. Dazu baskischen Weißwein oder einen sehr sauren Sidre (ich mochte ihn!).

Am nächsten Tag ging es von dort aus mit der Metro direkt in das Herz von Bilbao. Erster Programmpunkt: der Besuch eines Wollladens. Schon zuhause hatte ich im Netz den Laden Trikotoki Bilbao entdeckt. Nett wurde ich dort begrüßt und beraten, leider habe ich nicht wirklich spanische Garne gefunden (außer Katia, aber das reizte mich nicht wirklich). Wo geht die Wolle der vielen Schafe hin, die ich immer wieder gesehen habe. Im 16. Jahrhundert waren die Basken die Hauptlieferanten von Wolle an Flandern? Ich habe dann portugiesische Baumwolle und Leinen gekauft, ein Erinnerungsfoto mit Amaia gemacht und eine Gegeneinladung nach Magdeburg ausgesprochen.

Mit meiner gesicherten Beute im Rucksack ging es dann auf Stadterkundung. Im Vorfeld wurden wir schon von einigen schief angeguckt – wieso wollt ihr denn nach Bilbao, das ist doch eine häßliche Industriestadt?! Das stimmte sicherlich, bis vor ca. 20 Jahren. Da wurde das Guggenheim-Museum eröffnet, ein verrückter Bau von Frank Gehry. Mitten auf einem ehemaligen innerstädtischen Raffineriegelände. Ein riesiges Gebäude, mit Zinkblech verkleidet, dass sich entlang des Flusses in den Stadtgrundriss schiebt. Mit Skulpturen im Aussenbereich (leider ein Teil davon eingerüstet, man putzte sich für das 20jährige Jubiläum). Nach 2facher Umrundung des Gebäudes und unzähligen Bildern schlenderten wir weiter den Fluss entlang Richtung Altstadt. Überall treffen alt und neu aufeinander, die Architektur ist bunt durcheinandergewürfelt. Ich mag solche Stadte, nicht glattpoliert aber voller Leben. Auch hier reihten sich in der Altstadt Pintxosbars, Restaurants und kleine Lädchen aneinander. Die Einrichtungen zeugten oft von mehr Kreativität als Geld – Quallen aus Reispapierballons, mit Kreide bemalte Schaufenster, unverputzte Wände mit Industrieschick – Inspiration pur. Abends zuckelten wir mit vollen Köpfen (und Mägen) wieder beseelt mit der Metro Richtung Meer.

Am nächsten Tag packten wir unser Schneckenhaus wieder zusammen und fuhren weiter gen Westen. Aber das erzähle ich euch bald in Teil 2.

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